Andermatt 2010

Andermatt 2010. Wieso dieses Thema?

Mächte: Der Nukleus der Schweizer Demokratie ist die Gemeinde und die Gemeindeversammlung. Hier laufen basisdemokratische Prozesse ab, müssen Versammlungen geleitet und Meinungen gemacht werden. Am Schluss muss die Gemeinschaft als Ansammlung der Partikularinteressen entscheiden, wie es mit der Gemeinde weitergehen soll.

Menschen: Schweizer Berggemeinden müssen sich immer überlegen, wie sie überleben wollen. Das Kapital ist meist die schöne Landschaft. Doch von der Landschaft alleine überlebt man nicht, es braucht Einnahmen. Einnahmen können z.B. durch Tourismus generiert werden. Doch wie viel Tourismus verträgt es? Verbaut man die ganze Gegend, hat man zwar eine tolle Infrastruktur, doch die Landschaft ist futsch. Und wie gehen die Menschen mit den Veränderungen um?

Märkte: Wer wirtschaftlich überleben will, muss zwangsläufig aktiv werden und unterlieg somit den Mächten des Marktes. So findet sich z.B. ein Investor für ein Ferienressort. Geldgeber wollen aber nicht nur Geld geben, sie wollen auch Einfluss. Projekte wiederum werden durch gesetzliche Vorgaben (Landschaftsschutz, Einsprachemöglichkeiten) eingeengt.

Mit dem Abzug der Armee stand das Urner Dorf Andermatt genau vor dieser Situation: wie können wir langfristig überleben? Wie können wir unseren Menschen eine Perspektive und Zukunft bieten? Was sind wir bereit, dafür zu opfern/zu unternehmen?

In der Person des ägyptischen Unternehmers Samih Sawiris fand sich ein potenter Investor, der nun in Andermatt ein riesiges Ferienressort aus dem Boden stampft. Dies wird das kleine Dorf grundlegend verändern, stehen doch in der Saison alleine schon 3000 Angestellte ca. 2‘500 Einheimische gegenüber. Voraus gingen auch dorfintern harte Auseinandersetzungen, verschiedene Interessen prallten aufeinander, Bauern mussten ihr Land verkaufen und wegziehen. Zum Wohle der Allgemeinheit?

Konzeption

Die Woche fand in zwei Welten statt: auf der einen Seite beschäftigte sich die Klasse intensiv mit der Situation von und in Andermatt. Bestandteil davon war eine Exkursion nach Andermatt, in der verschiedene Gespräche geführt wurden, u.a. mit dem Gemeindepräsidenten, mit dem Dorfarzt (Gegner) und der "rechten Hand" von Samih Sawiris. Auch eine Feldbegehung im neuen Skigebiet mit Bernhard Russi gehört dazu.

Auf der anderen Seite spielte die Klasse in Rollenspiel. Jede Schülerin, jeder Schüler war ein Einwohner des fiktiven Dorfes "Alpina", das sich in der selben Lage befindet wie Andermatt. Auf der Basis von klarern Rollenbeschrieben versuchten die jeweiligen Figuren ihre Interessen zu vertreten. Dabei wurde den Lernenden auch klar, dass Abhängigkeiten und Beinflussungen entstehen. In einer Dorfversammlung wurde jeweils über das weiter Vorgehen debattiert.