Im Verlauf des sehr interessanten Treffens mit Doris Leuthard, Bundesrätin 2006-18 und Bundespräsidentin 2010 und 2017, stellten Schülerinnen und Schüler der fünften Klassen der Kantonsschule Reussbühl Frau Leuthard verschiedene Fragen zu ihrer Biographie, ihrem Werdegang und ihren politischen Ansichten (zum Verhältnis Schweiz-EU, zur Klimapolitik und zur Rolle von Frauen und Männern in der Politik). Diese Fragen waren der Ausgangspunkt für eine lebhafte Diskussion, in deren Vorfeld Geschichtslehrer Christian Fallegger die ehemalige Bundesrätin als eine wichtige, gestaltende Persönlichkeit in der Europapolitik der Schweiz vorgestellt hatte. Nina Morais sagte später zum Treffen mit Frau Leuthard: «Das Treffen mit der ehemaligen Bundesrätin Doris Leuthard war eine sehr spannende und aufregende Erfahrung. Sie antwortete auf alle unsere Fragen stets ehrlich und klug. Interessante Erfahrungen als Bundesrätin, wie ihr Alltag damals aussah und funktionierte, waren zu erfahren.»
Fragen und Antworten
Frage von Nina Morais: «Als Schülerinnen stellt sich uns natürlich die Frage, ob Sie als Jugendliche Ihren Karriereweg schon immer gesehen haben. Wollten Sie schon als junge Frau (Gymnasiastin) Bundesrätin werden? Und: Wie kamen Sie zu diesem Beruf?»
Antwort von Doris Leuthard: Nein, sie habe als Gymnasiastin noch nicht Bundesrätin werden wollen. Ihr Vater sei aber auch schon politisch tätig gewesen und sie habe Zuause oft mit ihm über Politik diskutiert. Ihr Beruf als Anwältin habe nicht direkt zur Politik geführt. Einige kleinere Ämter, in denen es Juristinnen gebraucht habe, hätte ihre Politkarriere ausgelöst.
Frage von Soraya Camenzind: «Würden Sie sich die Schweiz in der EU wünschen?»
Antwort von Doris Leuthard: Nein, einen EU-Beitritt der Schweiz wünsche sie sich nicht. Zum einen würde die Schweiz an Neutralität verlieren und zum anderen müsste die Schweiz auch die Direkte Demokratie abgeben. Die Schweiz wäre zu stark von der EU abhängig und könnte nicht schnelle Entscheidungen fällen, wie das jetzt der Fall ist. Frau Leuthard könnte sich auch nicht vorstellen, den Schweizer Franken in den Euro umzutauschen.
Frage von Lisa Kocher: «Wäre es aus Ihrer Sicht schlimm, wenn die Schweiz den Rahmenvertrag nicht unterschreiben würde? Was wären die Konsequenzen einer Nichtunterschrift des Rahmenabkommens?»
Antwort von Doris Leuthard: Schweizer Unternehmen würden Konkurs gehen. Sie müssten ihren Standort in die EU verlegen oder sich mehr nach Westen (USA) und Osten (China) ausrichten. Unser Wohlstand würde nicht von einem Tag auf den anderen sinken, aber mit der Zeit schon.
Frage von Laura Löffler: «Denken Sie, dass die Schweiz an Souveränität verliert, wenn sie das Rahmenabkommen annimmt?»
Antwort von Doris Leuthard: Die Schweiz würde an Souveränität verlieren, aber es sei trotzdem wichtig, das es angenommen werde. Es gäbe ohne die Bilateralen 1 und 2 viel zu viele Nachteile, deshalb sollte das Abkommen definitiv angenommen werden.